Kleinräumige Bevölkerungsprognose
Im Vorfeld der Gesamtfortschreibung des Regionalplans der Region Heilbronn-Franken im Jahre 2006 wurde auf der Basis gemeindebezogener demographischer Daten eine Bevölkerungsprognose für alle 111 Gemeinden in der Region berechnet. Dabei wurde sowohl eine Prognose für die natürliche Bevölkerungsentwicklung als auch eine Variante mit Wanderungen berechnet. Auf der Grundlage dieser Prognose steigt die Bevölkerungszahl in der Region Heilbronn-Franken bis 2020 um etwa 37.000 Personen (+4,2%) auf ca. 921.000 Einwohner. Da die Anzahl der Einwohner sehr stark von den Wanderungssalden beeinflusst wird und diese wiederum von sehr vielen Faktoren (z.B. Konjunktur, Arbeitsplätze, usw.) abhängen, ist eine regelmäßige Überprüfung der Prognosewerte notwendig. Dies führt im Ergebnis zu neuen Prognoseansätzen, so dass in gewissen zeitlichen Abständen die Berechnung einer neuen Prognose erforderlich ist. Nach den neueren Wanderungsannahmen des Statischen Landesamtes müssten die regionalen Wanderungsannahmen deutlich reduziert, tendenziell halbiert werden.
Regionale Standorte für Windenergie
Die Zielsetzung, die regenerativen Energien besser
zu nutzen, findet ebenso breite Zustimmung wie die Absicht, ein
möglichst intaktes Landschaftsbild zu erhalten. Einerseits
werden Windkraftanlagen aufgrund ihres ökologischen Entlastungseffektes
durch den Bundesgesetzgeber vor anderen Nutzungen im Freiraum
bevorzugt, andererseits erfordert die Windenergienutzung relativ
aufwendige technische Bauwerke. Trotz schlanker Masten und aerodynamisch
geformter Rotoren wirken Windenergieanlagen zunächst als
Fremdkörper in der Landschaft.
Der Regionalverband Heilbronn-Franken hat in der
Region flächendeckend nach geeigneten und raumverträglichen
Standorten für Windkraftanlagen gesucht.
Eine Steuerung der Windkraftstandorte
ist über den Regionalplan Heilbronn-Franken 2020 erfolgt. Dabei wurden (regional
abgestimmt) einerseits geeignete Standorte festgelegt;
andererseits wurde aber auch die Zulässigkeit von regionalbedeutsamen Windkraftanlagen
in anderen Teilen der Region ausgeschlossen.
Regionales Märktekonzept
Im Jahr 1999 wurde eine Grundlagenerhebung und
Bewertung für die Zentralen Orte der Region Heilbronn-Franken
durchgeführt. Auf dieser Basis hat Regionalverband ein regionales
Märktekonzept erarbeitet und das Verfahren zur Teilfortschreibung
des Regionalplans im Kapitel "Großflächiger Einzelhandel"
auf den Weg gebracht.
Dort werden im Einvernehmen mit den Kommunen die
Innenstadtstandorte für den zentrenrelevanten Einzelhandel
dargestellt. Ergänzend werden in verkehrsgünstiger Lage
auch Standorte für den großflächigen Einzelhandel
mit nicht-zentrenrelevanten Sortimenten ausgewiesen. Mit diesem
regionalen Märktekonzept wird eine raumordnerisch verträgliche
Einzelhandelsentwicklung angestrebt.
Die Innenstadt ist traditionell der Standort für
den Einzelhandel, der die übergemeindliche Bedeutung der
Zentralen Orte prägt. Gleichzeitig ist die Innenstadt ein
Ort des urbanen Lebens, des Zusammentreffens von Menschen, der
Identität. Deshalb soll die Innenstadt unterstützt werden.
Einzelhandelsgroßbetriebe sind nur in Ober-,
Mittel- und Unterzentren zulässig. Zulässig sind jedoch
großflächige Betriebe der Grundversorgung
-
in Kleinzentren, sofern der Absatz nicht über den Nahbereich
hinausgeht, und
-
in nicht zentralen Gemeinden, sofern der Absatz nicht über
das
Gemeindegebiet hinausgeht.
Die Größe und das Sortiment der neuen
Einzelhandelsgroßbetriebe muss dem System der Zentralen
Orte entsprechen. Innerhalb der Zentralen Orte sind die neuen
Einzelhandelsgroßbetriebe in den abgegrenzten Innenstädten
anzusiedeln.
Insgesamt soll durch das
Regionale Märktekonzept
eine langfristige Perspektive bei der kommunalen Planung erreicht
werden. Das Konzept lässt aber auch genügend Spielraum
für die zu erwartende weitere Expansion und den Strukturwandel
im Einzelhandel.
Europäische Metropolregion Stuttgart
Mit dem Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg
2002 wurde auch die von der Ministerkonferenz für Raumordnung
durch Beschluss vom 08. März 1995 festgelegte Europäische
Metropolregion Stuttgart in die Landesplanung übernommen.
Unter Europäischen Metropolregionen (EMR) werden Motoren
der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen
Entwicklung verstanden, die die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit
Deutschlands und Europas erhalten und dazu beitragen sollen,
den europäischen Integrationsprozess zu beschleunigen.
Der Landesentwicklungsplan nimmt bei der
Beschreibung der EMR Stuttgart keine Abgrenzung vor, nennt
aber eine Mindestausdehnung, die neben dem Verdichtungsraum
Stuttgart die Räume um Heilbronn
und Reutlingen/Tübingen nebst der jeweils zugehörigen
Randzonen umfaßt. Damit ist klar, daß zumindest ein
Teil der Region Heilbronn-Franken auch zur EMR Stuttgart
zählt, was angesichts der formulierten Aufgaben neue Herausforderungen
bedingt.
Mit der bewußt unscharfen Formulierung der Abgrenzung
wird zum einen vermieden, Kommunen als Akteure in der EMR zu
verpflichten bzw. auszuschließen. Andererseits besteht
seitens des Bundes die Verpflichtung der EMR, sich nicht nur
auf ihre räumliche Struktur, sondern auf ihre Dezentralität
zu stützen. Als Verantwortungsgemeinschaft sieht er
die Europäischen Metropolregionen, die eben nicht nur einen
metropolen Kern umfassen, sondern ein weites dazugehöriges
Umfeld meinen. Dazu gehört bezüglich der Region Heilbronn-Franken
auch der Ländliche Raum, der durch Kooperation, Arbeitsteilung
und Erzielung von Synergien in die raumordnerische Leitvorstellung
einer Metropolregion eingebunden sein muß.
Die Europäische Metropolregion Stuttgart versteht sich
derzeit als Kooperationsraum für einzelne Projekte zu verschiedenen
Themen. Tourismus und Marketing, Wirtschaftsförderung
und Innovation, Wissenschaft und Bildung sowie Verkehr
sind die Hauptthemen. Die Arbeitsgruppe Neckar unter Federführung
des Verbandvorsitzenden Oberbürgermeister Himmelsbach
beschäftigt sich mit der künftigen Entwicklung des
Neckar als Wasserstraße (Stichwort Schleusenverlängerung)
und Landschaftspark Neckar (Stichworte Ökologie, Tourismus,
Naherholung). Hierzu wird derzeit ein Zielkonzept entwickelt,
das als fachlicher Leitfaden für das weitere Vorgehen dienen
soll.
Regionales Entwicklungskonzept Verkehr
Die Region Heilbronn-Franken liegt verkehrsgünstig im wirtschaftlichen Kernraum Europas und ist mit den Autobahnen A 6 und A 81 sowie den tangierenden Autobahnen A 3 und A 7 hervorragend in das europäische Fernstraßennetz eingebunden. Neben dem allgemeinen Verkehrszuwachs vor allem in den 90er Jahren hat die Region beim Kfz-Verkehr auf der in West-Ost-Richtung durchquerenden Autobahn A 6 die Öffnung Osteuropas und die Umpolung der europäischen und internationalen Verkehrsströme zu spüren bekommen. Zuwachsraten von bis zu 26% beim Gesamtverkehr und bis zu 93% beim Güterverkehr seit 1995 auf regionalen Autobahnabschnitten spiegeln dies deutlich wieder. Aus Sicht der Region ist der durchgehende sechsspurige Ausbau der internationalen europäischen Verkehrsachse A 6, die auch innerhalb der Region wichtige Erschließungsfunktion übernimmt, von großer Bedeutung.
Im Gegensatz zum steten Wachstum auf der Straße liegt die Region beim Schienenfernverkehr im Verkehrsschatten nationaler und internationaler Verbindungen. Zwar wird die Region intern von einem Schienennetz erschlossen, das sieben von insgesamt acht Mittelzentren und viele weitere zentrale Orte erschließt, das Netz der Schienenfernverkehrslinien führt jedoch um die Region mit ihren knapp 887.000 Einwohnern (2006) herum. Um hier Anschluß für die Bevölkerung und die Wirtschaft zu halten, ist sie auf Zubringerlinien zu den umliegenden Fernverkehrsknoten vor allem in Stuttgart, Mannheim und Würzburg angewiesen. Diese gateway-Funktionen müssen gesichert und weiter optimiert werden.
Auch die Schnelligkeit der Schienenverbindungen innerhalb der Region und in die angrenzenden Räume kann in der Regel nicht mit dem Pkw konkurrieren. Die Vorreiterfunktion, die die Region Anfang der 90er Jahre mit dem Einsatz der Neigetechnik übernommen hatte, ist an technischen Problemen gescheitert.
Erfreulich dagegen sind die Fortschritte, die bei der Erschließung des weiteren Verdichtungsraums Heilbronn mit der Stadtbahn gemacht werden. Sie stellt inzwischen nicht nur die Schienenverbindung zwischen den Oberzentren Karlsruhe und Heilbronn dar, sondern erschließt mit zahlreichen neuen Haltestellen neben der Innenstadt von Heilbronn auch den Verdichtungsraum, seine Randzone und Teile des Ländlichen Raums auf der West-Ost-Verbindung von Eppingen bis zum Mittelzentrum Öhringen. Von großer Bedeutung ist nach Fertigstellung dieses Teils der Stadtbahn die zügige Realisierung der Nord-Südverbindung, die den hochverdichteten Kernraum des Neckartals erschließen wird. Hier ist bis zum Jahr 2010 die Realisierung des sog. Nordastes von Sinsheim/Bad Rappenau und von Mosbach-Neckarelz/Gundelsheim über Neckarsulm nach Heilbronn vorgesehen.
In einem umfassenden Regionalen Entwicklungskonzept Verkehr hat der Regionalverband Heilbronn-Franken neben einer Analyse der Ist-Situation eine alle Verkehrsträger - Straße, Schiene, Stadtbahn, Öffentlicher Personennahverkehr, Radverkehr, Binnenschifffahrt und Luftverkehr - übergreifende regionale Konzeption entwickelt, um die Mobilität (in) der Region für Bevölkerung und Wirtschaft dauerhaft und umweltgerecht zu sichern. In acht Leitsätzen werden umfassende und integrative Vorstellungen für die künftige verkehrliche Entwicklung der Region Heilbronn-Franken gemacht.
Die wesentlichen Zielsetzungen des Regionalen Entwicklungskonzepts Verkehr sind inhaltlich weitgehend in den neuen Regionalplan Heilbronn-Franken 2020 integriert worden.
Rohstoffsicherung
Die Regionalplanung hat von Bund und Land den Auftrag, Flächen für die Rohstoffsicherung auszuweisen. Damit ist sie in Deutschland die einzige Institution, die sich mit der Sicherung von Rohstoffvorkommen beschäftigt. Neben der Tatsache, daß dadurch die Versorgung mit heimischen Rohstoffen gesichert und Engpässe vermieden werden können, ist dies auch für die betroffenen Kommunen, die Wirtschaft und die in diesem Sektor tätigen Unternehmen von Bedeutung, da die so langfristige Planungssicherheit erhalten und Investitionen leichter vornehmen können.
Als Vorarbeit für die Aktualisierung der Rohstoffsicherung hatte der Regionalverband Heilbronn-Franken ein Rohstoffsicherungskonzept für die Region Heilbronn-Franken erarbeitet, das im wesentlichen Grundlage für die anschließende Teilfortschreibung des Regionalplans Franken 1995 war. Das Rohstoffsicherungskonzept basiert vor allem auf den Ergebnissen einer flächendeckenden Betriebsbefragung in der Region und nimmt eine Prognose und Bedarfsabschätzung vor.
In der Region Heilbronn-Franken wird überwiegend Festgestein gewonnen, und zwar etwa sieben Millionen Tonnen jährlich, was einem rechnerischen Pro-Kopf-Verbrauch von 8,1 t je Einwohner entspricht. Über 90% der Rohproduktion entfallen auf den Naturstein-Muschelkalk und etwa 5% auf Gips bzw. Anhydrit. Der Rest verteilt sich auf Sand, Ziegeleirohstoff und Naturwerksteine (Muschelkalk, Buntsandstein). Aufgabe der Regionalplanung ist die mittel- und langfristige planerische Sicherung oberflächennaher Rohstoffvorkommen vor konkurrierenden Nutzungen.
Die Teilfortschreibung „Rohstoffsicherung“ wiederum diente als Vorarbeit für die Fortschreibung des gesamten Regionalplans; sie ist überwiegend unverändert als Plansatz 3.5 „Gebiete für Rohstoffvorkommen“ in den neuen Regionalplan Heilbronn-Franken 2020 eingeflossen. Der in Anlehnung an das neue Raumordnungsgesetz von 1997 im neuen Landesplanungsgesetz Baden-Württemberg 2003 vorgenommenen Begriffsänderung wurde auch der Regionalplan Heilbronn-Franken 2020 angepaßt: Statt „Schutzbedürftige Bereiche“ und „Sicherungsbereiche“ heißt es jetzt „Gebiete für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe“ und „Gebiete zur Sicherung von Rohstoffen“. Eine materiell-inhaltliche Änderung ist damit nicht verbunden, allerdings sind die Abbaubereiche nun als Vorranggebiete und die Sicherungsgebiete als Vorbehaltsgebiete festgelegt.
Insgesamt ist eine Sicherung oberflächennaher Rohstoffe unter dem Leitbild einer nachhaltigen Rohstoffgewinnung gelungen. An 71 Standorten konzentrieren sich die 60 Abbaugebiete und 58 Sicherungsgebiete in der flächenmäßig größten Region Baden-Württembergs. D.h. an 46 Standorten findet eine flächenschonende Ausweisung von Abbaugebieten und angrenzenden Sicherungsgebieten statt. Im neuen Regionalplan Heilbronn-Franken wurden keine weiteren neuen Abbaubereiche ausgewiesen, was ebenfalls zu einer wesentlichen Schonung der Landschaft führen dürfte. Neben dem umfangreichen Beteiligungsverfahren wurde darüber hinaus im Verfahren für 36 Standorte eine FFH-Verträglichkeitsprüfung durchgeführt und teilweise entsprechende Anpassungen vorgenommen. Gemessen an der Größe der Region mit ca. 4700 km2 haben die im Regionalplan festgelegten Abbau- und Sicherungsgebiete mit zusammen ca. 1600 Hektar eine Flächenanteil von 0,34 Prozent.
Ländlicher Raum
82,7% der Fläche der Region Heilbronn-Franken gehören nach der Definition des Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg 2002 zur Raumkategorie „Ländlicher Raum“. 56,5% der Einwohner der Region Heilbronn-Franken leben in diesem Raum. In einer umfassenden Studie möchte der Regionalverband Heilbronn-Franken die Besonderheiten, die Stärken aber auch die Schwächen des ländlichen Raums näher beleuchten. Untersucht werden die Entwicklungen bei der Bevölkerungszahl und den wirtschaftlichen Kenngrößen. In beiden Bereichen hat der ländliche Raum in den zurückliegenden Jahren enorm aufgeholt. Darüber hinaus werden die Funktionen des ländlichen Raums analysiert. Zu nennen ist hier beispielsweise der Tourismusbereich aber auch die Landwirtschaft, die zum Erhalt der Kulturlandschaft beiträgt. Daneben werden der Bereich der Infrastruktur sowie die Daseinsvorsorge eingehend thematisiert. Dabei soll nicht nur der gegenwärtige Status quo dargestellt werden, sondern vor dem Hintergrund des demographischen Wandels auch Ideen und Ansätze vorgestellt werden, wie zukünftig tragfähige Lösungen in diesen Bereichen aussehen könnten.
Regionalbedeutsame Boden- und Kulturdenkmale
Die gemeinsam mit dem Regionalverband Heilbronn-Franken
und dem Landesdenkmalamt durchgeführte Erfassung der regional
bedeutsamen Boden- und Kulturdenkmale in der Region Heilbonn-Franken
wurde abgeschlossen.
Die Region Heilbronn-Franken besitzt einen großen
Reichtum an kulturellem Erbe in vielfältigen und eigenständigen
historischen Kulturlandschaften. Ausdruck dieser vielgestaltigen
Vergangenheit ist eine enorme Fülle an Kulturdenkmalen. Die
Zusammenstellung von regional bedeutsamen Kulturdenkmalen soll
helfen, die über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft
mit ihren landschaftsprägenden Elementen im planerischen
Rahmen sichtbar zu machen. Sie kann damit wesentliche Orientierungsgröße
für eine dem kulturellen Erbe verpflichtete zukünftige
Freiraum- und Siedlungsentwicklung sein .
Zur Auswahl kamen sowohl in hohem Maße landschaftsprägende
als auch flächenhaft wirksame Objekte sowie Kulturdenkmale,
die einen hohen Stellenwert in der Kunsttopographie bzw. der archäologischen
Forschung des Raumes einnehmen.
Exemplarisch seien hier neben den berühmten
Schlössern, Burgen und Klöstern der Region weithin sichtbare
Kirchen, die mittelalterlichen Stadtanlagen, erhaltene Dorfkerne,
bekannte Grenzlinien des Mittelalters wie der Württembergische
Landgraben oder die Haller Landhege, versteckte archäologische
Denkmale oder frühere Salinen, natürlich auch der Limes
oder wichtige keltische Höhensiedlungen genannt. Es werden
sowohl Einzelgebäude als auch großflächige Denkmale
wie historische Weinberge im Neckartal oder ehemalige fürstliche
Jagdwälder in einer Karte 1: 100 000 zusammengefasst. Aufgenommen
wurden aber auch technische Denkmale wie der Neckarkanal oder
einzelne Bahnstrecken.
Die gewachsene Kulturlandschaft ist Teil der sehr
hohen Attraktivität der Region. Gerade in Gebieten mit lebhafter
Siedlungsentwicklung oder starken Veränderungen der Freiraum-struktur
ist die Sicherung derartiger Kulturdenkmale von hoher Bedeutung
und Dringlichkeit für die Denkmalpflege.
Die Spanne reicht dabei von allgemein bekannten
Objekten bis hin zu unbekannteren, aber ebenso wichtigen Anlagen.
Gemeint sind sowohl berühmte Schlösser wie Langenburg
oder Weikersheim, als auch der baugeschichtlich hochinteressante
spätmittelalterliche Ansitz der Haller Patrizierfamilie Senft
in Untermünkheim; weithin sichtbare Kirchen wie die Heilbronner
Kilianskirche aber auch kleine Wallfahrtskapellen wie in Külsheim-Uissigheim
am Stahlberg; bedeutende Klosteranlagen, wie Schöntal im
Jagsttal, aber auch versteckte Überreste monastischen Lebens
wie in Gnadental bei Michelfeld; bedeutende mittelalterliche Stadtanlagen
wie Eppingen oder Wertheim ebenso wie erhalten gebliebene historische
Dorfkerne wie Braunsbach-Geislingen oder Zweiflingen-Orendelsall;
berühmte Ruinen wie die Weibertreu bei Weinsberg ebenso wie
dem Laien eher unbekannte Burgenreste wie die Ruine Flügelau
bei Crailsheim-Roßfeld; bekannte Grenzlinien des Mittelalters
wie der Württembergische Landgraben oder die Haller Landhege
und verstecktere archäologische Denkmale wie die verschwundenen
Salinen bei Niedernhall; national bedeutende Boden-denkmale wie
der Limes mit seinen Kastellen genauso wie auf den ersten Blick
eher unspektakuläre, aber wissenschaftlich wichtige keltische
Höhensiedlungen wie bei Creglingen-Finsterlohr.
Es kann sich dabei sowohl um kleine, aber weithin
sichtbare Gebäude handeln wie z. B. die Landtürme um
Schwäbisch Hall oder im Taubertal als auch um großflächige
Denkmale wie die historischen Weinberge im Neckartal oder den
Karlsberg, einen ehemaligen fürstlichen Jagdwald bei Weikersheim.
Auch linienhafte Elemente wie die Cröffelbacher Steige mit
Steigengasthaus oder als technisches Denkmal die Bahnstrecke Ellwangen-Crailsheim
sind darin enthalten.
Die derart erstellten Karten samt Katalog lassen
die reichhaltige Geschichte der einzelnen Teilräume über
die abstrakte Geschichtsschreibung hinaus greifbar und nachvollziehbar
werden. Viele übergreifende, gestalterische oder funktionale
Zusammenhänge in der Kulturlandschaft werden erst durch die
Kartendarstellung erkennbar. Das Gebiet der ehemaligen Reichsstadt
Hall etwa wird mit der Landhege, aber auch charakteristischen
Kirchenbauten erfahrbar.
Der Einfluss des nahen Ansbach zeigt sich in den
barocken Kirchenbauten des Crailsheimer Raums bzw. an der Frankenhöhe.
Ganze Klosterlandschaften wie um Schöntal oder Bronnbach
mit Wallfahrtskapellen, Teichen, Weinbergen, Klosterhöfen
etc. werden schon durch die dicht gedrängten Symbole im Kartenbild
erkennbar.
Historische Wirtschaftsweisen in der Landwirtschaft
zeigt die Karte mit den erhaltenen historischen Weinbergslagen,
mit Tabakscheunen, Grünkerndarren oder Teichmühlen in
mannigfaltiger Art und Weise. Auch Zeugnisse der Industriekultur
verdeutlichen die historische Entwicklung der Region, von mittelalterlichen
Salinen bis zu Technikdenkmalen der rasanten Entwicklung im 19.
und frühen 20. Jahrhundert, die u. a. durch den denkmalgeschützten
Neckarkanal zum Teil erst ermöglicht wurden. Zeugnisse der
Volksfrömmigkeit mit Kapellen, Bildstöcken, Kreuzwegen
etc. kennzeichnen die katholisch dominierten Gegenden, ebenso
wie bestimmte Kirchenbautypen die protestantischen Traditionen
baulich äußern.
Neben Kirchengeschichte wird auch Territorialgeschichte
offenbar, man denke nur an die zahlreichen Kleinresidenzen des
Hohenloher Raums oder die Burgen entlang von Neckar, Tauber oder
Main. Jede Region drückt sich so mit ihren ganz eigenen Kulturdenkmalen
aus, die durch-aus in mehreren zeitlichen Schichten übereinander
liegen können. Von Überresten der Römer bei Wimpfen
im Tal über die mittelalterliche Höhensiedlung Wimpfen
am Berg bis hin zur industriellen Geschichte der Salzgewinnung
in Friedrichshall liegen beispielsweise im Neckartal nördlich
von Heilbronn kulturlandschaftliche Prägungen nahe bei- bzw.
übereinander. |