

Produzierendes Gewerbe
Dienstleistungen
Landwirtschaft
Forschung- und Entwicklung
Die Wirtschaftsstruktur der Region Heilbronn-Franken lässt sich folgendermaßen charakterisieren: Industriegeprägter Standort mit wachsendem Dienstleistungsanteil, bei dem die Landwirtschaft noch eine spürbare Bedeutung hat.
Der starke industrielle Kern der Region bildete sich frühzeitig - begünstigt durch die Infrastruktur - im Neckartal heraus. In den zurückliegenden Jahrzehnten konnten aber auch die übrigen Teilräume der Region durch Gründung und Ansiedlung von Industriebetrieben stark zulegen. So liegt der Anteil des produzierenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung für die Region Heilbronn-Franken bei 42,4% (2008), was etwas über dem Wert von Baden-Württemberg (39,1%) und deutlich über dem für Deutschland (29,8%) liegt. Innerhalb der Region ist der Anteil im Hohenlohekreis mit fast 50% am höchsten.
Auch im Hinblick auf das Arbeitsplatzangebot ist das produzierende Gewerbe für die Region außerordentlich wichtig. 148.262 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hatten 2010 im produzierenden Gewerbe einen Arbeitsplatz. Dies entspricht einem Anteil von 45%. In Baden-Württemberg sind es 38%, in Deutschland gut 30%. Dieser hohe Wert darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den letzten zwanzig Jahren auch in der Region Heilbronn-Franken Arbeitsplätze im Industriesektor abgebaut wurden. Mit 9,4% war der Rückgang jedoch deutlich geringer als in Baden-Württemberg, wo fast jeder 3. Arbeitsplatz im produzierenden Gewerbe verloren ging.
Die industriellen Leitbranchen der Region sind der Automobilbau, der Maschinenbau und die Elektrotechnik. In diesen Bereichen, aber auch in anderen Industriezweigen, haben sich in der Zwischenzeit clusterähnliche Strukturen herausgebildet. Zu nennen ist das Automotive-Cluster im Raum Heilbronn, das Befestigungstechnik- und das Lüftungstechnikcluster im Hohenlohekreis, ein Cluster der Verpackungsmaschinenbauer im Landkreis Schwäbisch Hall sowie die glasverarbeitende Industrie im Main-Tauber-Kreis.
Eine Vielzahl von auf dem Weltmarkt aktiven Industrieunternehmen hat dazu beigetragen, dass die Region Heilbronn-Franken - gemessen an der Einwohnerzahl - die bundesweit höchste Dichte an Weltmarktführern besitzt. Das größte einzelne Industrieunternehmen in der Region ist - bezogen auf die Arbeitsplätze - die Audi AG mit ihrem Standort in Neckarsulm (Landkreis Heilbronn). Aus dem Industriesektor sind aber auch beispielhaft die Firmen ebm-papst (Mulfingen, Hohenlohekreis), Illig (Heilbronn), Recaro (Schwäbisch Hall) oder Wittenstein (Igersheim, Main-Tauber-Kreis) zu nennen.
Der mit dem Strukturwandel einhergehende Ausbau des Dienstleistungssektors ist auch in der Region Heilbronn-Franken spürbar. Seit 1991 hat die Anzahl der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor um über 40% auf 281.125 zugenommen. In Baden-Württemberg betrug der Zuwachs 33,3%, in Deutschland 27,1%. Trotz dieser höheren Dynamik gehen aktuell erst 6 von 10 Erwerbstätigen in der Region einer Arbeit im Dienstleistungssektor nach. In Baden-Württemberg sind es fast 66%, in Deutschland über 72%.
Auch in der Region Heilbronn-Franken war der Dienstleistungssektor der Bereich, der den Arbeits-markt über Konjunkturkrisen hinweg geholfen hat. Rückgänge in anderen Sektoren wurden im Dienstleistungsbereich überkompensiert. Die Bruttowertschöpfung hat im Dienstleistungsbereich seit 1991 um fast drei Viertel zugenommen, was vergleichbar ist mit Baden-Württemberg, aber etwas schwächer ist als in Deutschland.
Zur gesamten Bruttowertschöpfung in Heilbronn-Franken trägt der tertiäre Sektor 56,4% bei, in Baden-Württemberg sind es gut 60% und in Deutschland fast 70%. Vor allem der Handel ist in der Region sehr stark vertreten. Zu nennen sind hier die Befestigungstechnikhändler Würth und Berner (beide Künzelsau, Hohenlohekreis) sowie Förch (Neuenstadt am Kocher, Landkreis Heilbronn), aber auch die Zentralen der Kaufland Stiftung sowie des Lebensmitteldiscounters Lidl (beide Neckarsulm, Landkreis Heilbronn). Darüber hinaus spielt das Gesundheitswesen eine wesentliche Rolle, vor allem in den drei Kurorten der Region Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis), Bad Rappenau und Bad Wimpfen (beide Landkreis Heilbronn). Nicht zu vergessen sind auch die Finanzdienstleister, für die stellvertretend die Bausparkasse Schwäbisch Hall erwähnt sein soll.
Ca. 80% der Fläche der Region gehören zum Ländlichen Raum - die Region wird deshalb häufig auch als landwirtschaftliche Region bezeichnet, jedoch dürfen diese Begriffe nicht gleichgesetzt werden. Gleichwohl spielt die Landwirtschaft in Heilbronn-Franken eine bedeutendere Rolle als in anderen Landesteilen. Die Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft ging seit 1991 um 13,5% zurück. In Baden-Württemberg war der Rückgang etwas größer. Anteilsmäßig trägt die Landwirtschaft zur gesamtregionalen Bruttowertschöpfung 1,2% bei, das ist fast doppelt so viel wie im Land Baden-Württemberg.
Entsprechend sind anteilig auch mehr Erwerbstätige in der Landwirtschaft beschäftigt. In Heilbronn-Franken sind dies ca. 14.200 Erwerbstätige, was einem Anteil von 3% entspricht. In Baden-Württemberg liegt der Anteil bei lediglich 1,8%, in Deutschland bei 2,1%. Strukturell ist die Landwirt-schaft in der Region eher kleinteilig. Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 27,8 ha, während ein durchschnittlicher landwirtschaftlicher Betrieb in Deutschland eine Fläche von über 45 ha bewirtschaftet. Diese Situation ist unter anderem auch auf die große Anzahl kleinerer Betriebe im Weinbau zurück zu führen. Dominiert wird die Landwirtschaft jedoch von Ackerbau und Viehzucht.
Im Bereich Forschung und Entwicklung weist die Region Heilbronn-Franken gegenwärtig die größte Dynamik aus. Ausgelöst durch die Ansiedlung des Forschungs- und Entwicklungszentrums von Bosch in Abstatt (Landkreis Heilbronn) sowie der Zentrale von Getrag in Untergruppenbach (Landkreis Heilbronn) konnte sich die Region beim Ranking des Innovationsindexes des Statistischen Landesamtes in den letzten Jahren deutlich verbessern. Zusätzlich wird diese Entwicklung auch vom Auf- und Ausbau einzelner Forschungsabteilungen in vielen Unternehmen der Region getragen. Beim Innovationsindex lag die Region 2004 noch auf dem vorletzten Platz aller zwölf baden-württembergischen Regionen. Zwischenzeitlich hat sie sich auf Platz 6 (2010) vorgearbeitet.
Für die Zukunft wird entscheidend sein, die Dynamik in diesem spezifischen Bereich weiter auf hohem Niveau zu halten, um den weiterhin vorhandenen deutlichen Rückstand gegenüber den Spitzenregionen zu verringern. Begleitet wird dieser Aufholprozess durch die schrittweise Erhöhung des Anteils von Beschäftigten mit Fachhochschul- oder universitärem Abschluss. In den letzten zehn Jahren konnte der Anteil von 5,0% auf 7,5% gesteigert werden. Dennoch liegt die Region weiterhin deutlich hinter dem baden-württembergischen Wert von 11,4%.