

Der demografische Wandel ist auch in der Region Heilbronn-Franken angekommen. 2010 gab es im fünften Jahr in Folge einen Bevölkerungsrückgang. Seit dem Höchststand zum Jahresende 2005 ging die Einwohnerzahl um 5.766 (-0,6%) zurück. 78 der 111 Städte und Gemeinde haben aktuell weniger Einwohner als 2005. Im davorliegenden Fünfjahreszeitraum waren hiervon lediglich 24 Kommunen betroffen. Die Dynamik, mit der der demografische Wandel in der Region angekommen ist, war überraschend. Bis 2005 gehörte die Region Heilbronn-Franken in Baden-Württemberg, ja sogar in Deutschland, sehr häufig zu den Regionen mit dem stärksten Bevölkerungswachstum. (Raumbeobachtungssystem)
Dieses Wachstum war vor allem durch Zuwanderung getragen und führte dazu, dass die Region Heilbronn-Franken - auch heute noch - zu einer der jüngeren Regionen in Baden-Württemberg gehört. Das Durchschnittsalter der Regionsbevölkerung liegt mit 42,1 Jahren etwas unter dem der Bevölkerung in Baden-Württemberg mit 42,5 Jahren.
Innerregional zeigt sich immer deutlicher, dass der demografische Wandel sich sehr differenziert vollzieht. Der Rückgang fand vollständig im Ländlichen Raum statt (-1,2%), während der Verdichtungsraum im Vergleich zu 2005 noch einen leichten Zugewinn verzeichnen konnte (+0,1%). In der Region Heilbronn-Franken spiegelt sich das vor allem im Main-Tauber-Kreis wieder. Dieser hat seit 2005 knapp 4.000 Einwohner verloren. Dies entspricht einem Rückgang von immerhin 2,8%. Aber auch der Hohenlohekreis (-0,7%) und der Landkreis Schwäbisch Hall (-0,6%) haben in dieser Zeit Einwohner verloren. Trotz des auf den ersten Blick moderaten Rückgangs war die negative Entwicklung stärker als im Stadt- und Landkreis Heilbronn (+1,0% bzw. -0,3%).
Aber auch innerhalb des Ländlichen Raums sind unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten. So sind es vor allem die größeren Städte im Ländlichen Raum, die sich dem Rückgang noch am ehesten wiedersetzen können. Dieser Reurbanisierungseffekt, überwiegend getragen durch die Zuwanderung der Altersgruppe der 15- bis unter 30-Jährigen, ist in unterschiedlicher Ausprägung in den Mittelzentren der Region zu erkennen.
Darüber hinaus ist feststellbar, dass für die Wohnortwahl, vor allem von denjenigen, die von außen in die Region zuwandern, die Lage entlang von Infrastrukturen - wie beispielsweise einer Stadtbahn - deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Studien gehen davon aus, dass beide Trends auch in der Zukunft noch anhalten werden. Hingegen dürfte aufgrund des Überangebots an Wohnbauflächen der Baulandpreis immer weniger die Entscheidung für die eine oder andere Gemeinde beeinflussen.
Die langfristigen Wirkungen des demografischen Wandels auf infrastrukturelle Ausstattungen sind unbestritten. Dem kann sich auch die Region Heilbronn-Franken nicht entziehen. Es ist sogar davon auszugehen, dass sie aufgrund der räumlichen Struktur stärker ausfallen. Hintergrund dieser Vermutung ist die sehr geringe Bevölkerungsdichte in weiten Teilen der Region. In 54 Städten und Gemeinden leben weniger als 150 Menschen pro km², der geringste Wert beläuft sich auf 40 Einwohner pro km². (Raumbeobachtungssystem)
Deshalb ist es begrüßenswert, dass dieses Thema in den einzelnen Landkreisen, in den Städten und Gemeinden der Region, aber auch in den Unternehmen und der Wirtschaft zunehmend diskutiert wird und verschiedene regionale und kommunale Initiativen (z.B. PAKT ZUKUNFT, Unternehmen für die Region der Bertelsmann-Stiftung oder Demografieberichte der Kommunen) dazu angestoßen wurden.